Attila József In einem Vorort von Budapest wurde Attila József am 11. April 1905 geboren. Seinen Vater, einen Seifensieder, hat er kaum gekannt. Áron József verschwand, als der Junge drei Jahre alt war; zunächst glaubte man, nach Amerika, später hieß es, er habe in Rumänien gelebt. Seine Mutter, eine Waschfrau, versuchte jahrelang verzweifelt, drei Kinder und sich selber zu ernähren. Attila wurde aufs Land geschickt. Er war sieben Jahre alt, als die Mutter ihn nach Budapest zurückholte und in die Elementarschule brachte. Zwei Jahre später begann der Krieg. "Es kam vor, daß ich mich des Abends, um neun Uhr, vor dem
Lebensmittelgeschäft anstellte und daß man mir, wenn ich um halb acht Uhr morgens an die
Reihe kam, erklärte, es gebe kein Schmalz mehr. Curriculum vitae, 1937 |
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| Die Räterepublik kam und wurde im Blut erstickt, eine
flüchtige Vision der Zukunft, wie mit ihr und nach ihr die Kommunen von München, Essen,
Hamburg und Kanton, mit ihren Bannern, ihren Meetings, ihren Straßenbällen. Niemals
sollte Attila den Unbekannten vergessen, der ihm Lenins "Staat und Revolution"
auf der Straße zusteckte. Die Mutter starb in einem Barackenhospital an Krebs, während
der Junge auf einer Hamsterfahrt war. Er war vierzehn Jahre alt, bettelte, handelte mit
Briefmarken und Banknoten, trieb sich auf den Straßen und in den Cafés umher, wo “die
elegante Pest geschnürter Offiziere und Huren” den Sieg über die Revolution
feierte. Es gelang ihm, allmählich, mit Hindernissen, das Gymnasium zu absolvieren. Zwischendurch mußte er immer wieder arbeiten, um überleben zu können, einmal als Schiffsjunge auf Donaudampfern, einmal als Hauslehrer, einmal als Erntearbeiter. Er war siebzehn Jahre alt, als die liberale Literaturzeitschrift "Nyugat" seine ersten Gedichte veröffentlichte. "Man hielt mich für ein Wunderkind, doch war ich nur eine Waise." Immerhin brachte ihm eines seiner Gedichte einen Gotteslästerungsprozeß ein, in dem er allerdings freigesprochen wurde. Sein erster Gedichtband erschien mit einem Vorwort des hervorragenden Lyrikers Gyula Juhász, als Attila noch das Gymnasium besuchte; der Band trug den Titel "Bettler der Schönheit". In ihm findet sich bereits ein so selbständiges, durchaus neuartiges Gedicht wie das Sonett "Der Hunger". Attila József verdingte sich als Bücheragent und Bankangestellter und schrieb sich an der Universität Szeged ein: Er wollte Gymnasiallehrer für Ungarisch und Französisch werden. Einer seiner Professoren, Antal Horger, las in einer Zeitung Józsefs Gedicht "Reinen Herzens" lies ihn zu sich rufen und meinte, solange er hier zu entscheiden habe, würde er niemals ein Lehrerdiplom erhalten. Menschen seines Schlages könnte man nicht mit der Erziehung der Jugend betrauen. József verließ darufhin die Universität, ging nach Wien, wo er ein Jahr verbrachte und mit Kommunisten in Berührung kam; dann ging er nach Paris, studierte an der Sorbonne, übersetzte Villon und Apollinaire. In den letzten Jahren vor der Weltwirtschaftskrise kehrte er nach Budapest zurück. Er schrieb sich wieder an der Universität ein, er versuchte wieder, einen Platz im Leben zu finden. Für kurze Zeit stieß er zu den bäuerlich-demokratischen Volkstümlern. Kommunist wurde er im Herbst 1930, als die illegale Partei, unter Donner schlägen sichtbar werdend, aus dem Blutstrom der Jahre auftauchte und riesige Demonstrationen die Straßen und Plätze von Budapest füllten. Er gehörte der Partei bis 1934 an. Seine Kraft erlag dem Übermaß seines materiellen und moralischen Elends; sie war auch dem Unverständnis einiger Sektierer nicht gewachsen. Aber sein Kampf in den Reihen der Kommunisten prägte sein Werk und bereicherte es in unerhörtem Maße; bis zur letzten Stunde blieb er den Kommunisten und ihrer Sache treu. Im Schatten der Galgen und Schafotte flüchtete die ungarische Revolution in Attila Józsefs Verse, die nicht mehr erscheinen konnten, aber im Gedächtnis revolutionärer Arbeiter und Intellektueller lebten. Durch Europa dröhnte der Faschismus. In einem Brief Józsefs, den er Anfang 1933 an den Lyriker Babits richtet, heißt es: "Seit längerer Zeit hungern wir, meine Frau und ich, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Wirtschaftsverband der Schriftsteller wies mir als Mittagessen einen Kaffee und eine Semmel im Café Club an; diese Hilfe nahm ich monatelang in Anspruch, sie hörte aber am 1. Januar auf. Mein Einkommen machte in diesem Jahr fünf zehn Pengö aus. Alle unsere Sachen, das Bettzeug einbegriffen, sind versetzt. Wir heizen nicht. Ich habe keine Schuhe, richtiger, ich trage ein Paar 43er; meine Schuhgröße ist 39. An den Hunger habe ich mich schon gewöhnt." Die Schizophrenie, die sich in seinen Versen ankündigt, bricht aus, führt ihn in die Nervenheilanstalt. "Ich lausche den Nachrichten, die eine Stimme aus meiner Tiefe bringt", lautet eine Notiz. Aber die grandiosen Verse, die in den letzten Jahren entstehen, sind nicht nur einfach Produkte der Krankheit; sie bäumen sich gegen die Krankheit auf, sie rufen nach Vernunft und Ordnung; und wo sie von Ängsten und Verzweifelung handeln, geht es stets auch um die Ängste aller, um die ungewisse Zukunft der Menschheit. Die wirkliche Krankheit, die ihn nicht aus den Fängen läßt, auch als die Anstalt schon hinter ihm liegt, das ist der "Dschungelstaat", von dem in einem Gedicht die Rede ist. Attila József erliegt dem Faschismus, dem Hunger, einer wahrhaft mörderischen Einsamkeit. Er ist zweiunddreißig Jahre alt, als er sich im Winter 1937 in der Nähe eines kleinen Dorfes am Plattensee vor einen Güterzug wirft. Dieser Text wurde von hier
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Reinen Herzens Attila József (Vidám és jó volt) Schlaf, kleiner Klaus A. J.s Leben und literarische Entwicklung Zum Hören Ein
wilder Apfelbaum will ich werden Schlaf,
kleiner Klaus Reinen
Herzens Links Alle Gedichte online (Ungarisch) Kritik der neuen A.J. Übersetzungen (Die Furche) Kritik der neuen Übersetzungen (NZZ, Frankfurter Allgemeine) Karl Markus Gauß: Nicht ich bin es, der schreit! Karl Unger: Nicht ich schreie, die Erde dröhnt (Junge Welt) Der ungarische Majakowski (Frankfurter Rundschau) Früh steht sie auf, wie die Bäcker ohne
anzuklopfen |
| eigenständige
Veröffentlichungen: Szépség
koldusa (Bettler der Schönheit). Szeged, 1922 (Reprint 1980). Publikationen in deutscher Sprache *Attila József, Am Rande der Stadt (übersetzt von
Alexander Gosztonyi). *Attila Jozsef: Ein wilder Apfelbaum will ich werden. Gedichte 1916-1937. Aus dem Ungarischen übersetzt, ausgewählt und herausgegeben von Daniel Muth [Csaba Báthori]. Mit einem Vorwort von Ferenc Fejtõ und einem Nachwort von György Dalos. Ammann, Zürich 2005. Szabolcsi, Miklos: Attila Jozsef - Schöpfer ungarischer
sozialistischer Dichtung von weltliterarischem Rang. 155-184. |