| Satan von Tamás Jónás |
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| Der Vater schnitt dem dreijährigen Janika die Kehle durch. Dann steckte er einen Federkiel in den Schnitt, damit wieder Luft in die Lungen des Jungen strömen konnte. Seine Hand zitterte, doch er war entschlossen, mit zusammengekniffenen Augen, seine Lippen waren auf Papierstärke zusammengepreßt, tat er, was er tun mußte. Er hockte am Boden, in seinem Schoß das Kind. Sie kauerten so stumm und unbeweglich in der Mitte des Zimmers, als wären sie Statuen. Sie warteten auf den Rettungswagen. »Wenn du Luft kriegst, Janika, dann nicke!« Vierzehn Jahre vergingen. Man sagt, während dieser Zeit
wird der Mensch zweimal »runderneuert«, all seine Zellen erneuern sich völlig. Weiters
sagt man, daß alle sieben Jahre sich auch die Seele verändert: Nach sieben Jahren bist
du im Vergleich zu dir selbst immer ein wenig anders. Janika wurde still, er zog sich zurück, war plötzlich
schüchtern. In den zweiten sieben Jahren wurde diese Stille, die bis dahin weiß,
unschuldig gewesen war, schwarz und hinterhältig. Er war in seinen Flegeljahren. Taglang
ließ er sich nicht zuhause blicken, seine Schwester zischte er nur an, wenn diese ihn zur
Rede stellte, wo er denn schon wieder hinginge in schwarzen Schuhen, schwarzen Hosen,
schwarzem Hemd, wenn es doch zum Verrecken heiß ist. Die Familie lebte nicht mehr im Dorf, nicht mehr im Zigeunerviertel: Sie war in die Stadt gezogen, im siebten Stock eines zehnstöckigen Wohnsilos hatte sie eine Dreizimmerwohnung zugewiesen bekommen. Aus dem Fenster blickte man auf Felder und Wälder, mehr verlangten sie auch vom Leben nicht mehr. Die Mutter verteidigte Janika natürlich, stritt mit
ihrem Mann, er solle sich hüten, am Buben Hand anzulegen, weil sie ihn dann sofort
verlasse. Das Kind sei verstört, habe Probleme, man müsse ihm helfen, es nicht noch mehr
verletzen. Eines nachts kam Janika nach Hause, in seinen trüben
Augen trug er eine unbekannte Welt, in ihnen glitzerte eine unbekannte Kraft, etwas
Geheimnisvolles. Scheppernd schloß er die Wohnungstüre auf, alle wurden aus dem Schlaf
gerissen. Janika hatte ein Messer in der Hand. Als der Vater in die
Küche trat, stach er zu. Er traf ihn ins Herz. Der Vater sah ihn überrascht an: Aus dem Ungarischen von Clemens Prinz, 2005. |